Raus aus der Tabuzone: Männergesundheit

3. November 2026 | mkk-Gesundheitstipps

Vom aufgeschobenen Arzttermin bis zu verdrängten Symptomen: Für viele Männer spielt Gesundheit eine untergeordnete Rolle. Nicht zuletzt, weil viele Gesundheitsthemen immer noch schambehaftet sind. Wir beleuchten, wie Rollenbilder das Gesundheitsverhalten von Männern prägen, welche spezifischen Gesundheitsrisiken für Männer* bestehen – und welche Maßnahmen Männer aktiv für ihre Gesundheit setzen können.

Männer leben ungesünder – und riskanter

Obwohl viele Männer ihre Gesundheit so positiv einschätzen, leben sie kürzer als Frauen – im Schnitt ganze fünf Jahre. Das hat viele Gründe. Unter anderem verhalten sich Männer häufiger gesundheitsgefährdend. Sie rauchen und trinken mehr – weltweit sterben etwa dreimal so viele Männer wie Frauen an den Folgen von Alkohol. Außerdem ernähren sie sich ungesünder – sie essen etwa weniger Obst und Gemüse und verzehren mehr Fleisch. Sie tendieren außerdem zu riskantem Verhalten, was etwa die Unfallgefahr im Straßenverkehr erhöht – bei rund 75 Prozent aller Sterbefälle durch Verkehrsunfälle handelt es sich um Männer. Zudem arbeiten sie häufiger unter Bedingungen, die der Gesundheit schaden.

Schätzen Menschen ihre eigene Gesundheit realistisch ein, sind sie eher bereit, ihr Verhalten zu ändern und gesünder zu leben. Schätzten sie sie aber zu positiv ein, wie es bei Männern häufig der Fall ist, fehlt oft die Motivation, etwas zu ändern. Dass die Gesundheit für viele Männer noch eine untergeordnete Rolle spielt, zeigt sich auch an der Vorsorge: Mehreren Studien zufolge suchen Männer seltener einen Arzt auf als Frauen. Gut 59 Prozent aller Frauen, aber nur 22 Prozent aller Männer nehmen eine Vorsorgeuntersuchung wahr. Männer sind immer noch “Vorsorgemuffel”. Das Vermeidungsverhalten zeigt sich auch in Gesundheitskursen, in denen Männer eher weniger vertreten sind. Vier von fünf Teilnehmenden an Präventionskursen in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Stressmanagement und Suchtmittelkonsum sind Frauen.

Was haben männliche Rollenbilder damit zu tun?
Für das Gesundheitsverhalten von Männern spielen auch Rollenbilder und gesellschaftliche Vorstellungen eine Rolle. Diese entwickeln sich schon früh im Leben und werden stark vom Umfeld beeinflusst. Und sind wir mal ehrlich: Wir alle kennen Stereotype, wie Männer vermeintlich zu sein haben. Bestimmte Verhaltensweisen werden mit „Männlichkeit“ oder „Weiblichkeit“ assoziiert, und dadurch jeweils umso mehr verstärkt. So fühlen sich Männer laut Studien etwa stark und männlich, wenn sie Fleisch essen – obwohl eine kalorienreiche und fleischhaltige Kost als Risikofaktor für Darmkrebs gilt.

Die Folgen von Rollenbildern reichen aber noch viel weiter. Traditionell definieren sich Männer etwa mehr über ihre Arbeit. Ihr Selbstwertgefühl ziehen die meisten aus ihrem beruflichen Erfolg. Status, Verdienst und Leistung nehmen einen hohen Stellenwert ein. Viele verstehen sich als Familienernährer. Das macht sie anfällig für Stress – ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, von denen Männer besonders häufig betroffen sind. Arbeitslosigkeit oder schlecht bezahlte, unsichere Arbeitsverhältnisse werten sie als Versagen. In beruflichen Krisen sind sie anfälliger für das nächste Tabuthema: Psychische Erkrankungen.

Wie Männer lange gesund leben:
Besser Vorsorge als Nachsorge
Erholt gegen den Stress
Bewegung: Alleskönner für Männergesundheit
Auf einen gesunden Speiseplan achten
Seelische Gesundheit: Sich helfen lassen
Gemeinsam gesund: Vorbild sein, auf andere achten

Am 17.11. findet zum Thema Vaterschaft im Rahmen der Männergesundheit im Fokus ein kostenfreier Impulsvortrag statt.


Quellen

RKI (2021): Gesundheitliche Lage der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland

WHO (2024): Alcohol

Süddeutsche Zeitung (2022): Warum Männer* Vorsorgeuntersuchungen oft meiden

RKI (2023): Gesundheitliche Lage der Frauen* in Deutschland

ARD Alpha (2024): Darum sterben Männer* früher als Frauen*

RKI (2024): Themenschwerpunkt: Übergewicht und Adipositas

Universitätsklinikum Tübingen: Männergesundheit

Tempel, Jung & Schröder (2013): Die Gesundheit von Männern ist nicht die Gesundheit von Frauen*

Tagesschau (2024): Aggressiv und wütend – statt niedergeschlagen

NDR (2024): Männer in den Wechseljahren: Symptome, Mythos, Behandlung

Krebsgesellschaft.de: Hodenkrebs – Frühes Erkrankungsalter, aber sehr gute Heilungschancen

BIÖG: Männergesundheitsportal

Meduni Wien: Movember

WHO (2024)

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