Yahyas Weg in den organisierten Sport beginnt auf dem TalentTag Parasport 2024. Damals wusste er noch nicht, was für ein Sportsgeist und welches Talent in ihm schlummern. Auf der Veranstaltung vom Programm BERLIN HAT TALENT konnte er fünf Sportarten ausprobieren, darunter Fußball, Fechten, Leichtathletik, Judo und Tischtennis. Mit einem breiten Lächeln erzählt er vom Eventtag – und davon, dass Fechten für ihn mit Abstand am coolsten war. „Das war der Startschuss für alles“, beschreibt sein Vater den Moment rückblickend.
Heute ist Yahya eine echte Sportskanone und geht drei Mal in der Woche zum Training! Über seinen Weg in den Sportverein, seine Lieblingsdisziplin und warum er am Ende nicht beim Fechten gelandet ist, berichtet er den Inklusionsnetzwerker*innen vom Landessportbund, Marie und Erik. Beim Interview stets an seiner Seite ist sein Vater, der ihn zu allen Trainings fährt und begleitet.
Steckbrief
- Name: Yahya G.
- Alter: 7 Jahre
- Klassenstufe: 2. Klasse
- Sportarten: Leichtathletik, Basketball, Karate
- Training: 3x wöchentlich
- Lieblingsdisziplin: Kugelstoßen (laut Papa)
- Leitspruch: Selbstbewusst und manchmal auch ein bisschen frech 😉
Auf dem TalentTag Parasport 2024 entsteht der Kontakt zu Para-Landestrainer Leichtathletik Dr. Ralf Otto. Außerdem erinnert sich sein Vater: „Nach der Veranstaltung haben wir direkt bei verschiedenen Vereinen angerufen – Tischtennis, Judo – und uns informiert.“
Daraufhin besucht Yahya einen Vater-Kind-Tag im Judo beim SC Charis 02: „Das war richtig gut organisiert und hat ihm viel Spaß gemacht.“ Nach dem Schnuppertraining beim Judo landet er aber schließlich in der Leichtathletik beim Paralympischen Sport Club Berlin und trainiert dort einmal pro Woche gemeinsam mit den älteren und erfahrenen Paraathleten Ali Lacin und Tim Linke unter Trainer Otto. Gerade diese Erfahrung hat ihn besonders geprägt. „Die Großen haben ihn super aufgenommen“, erzählt sein Vater. Yahya ergänzt: „Es ist besser, mit anderen zusammen Sport zu machen.“ Vor allem die älteren Sportler, die ebenfalls eine Behinderung haben, unterstützen ihn intensiv: „Ali und Tim helfen ihm sehr“, sagt sein Vater.
Dann wollen wir wissen, ob Yahya eine Lieblingsdisziplin hat. Das kommt aber ganz darauf an, wen man fragt. Offiziell soll er perspektivisch im Kugelstoßen oder Speerwurf aufgebaut und gezielt gefördert werden. Auf unsere Frage antwortet er spontan: „Weitsprung! Rennen und dann in den Sand springen!“. Sein Papa schmunzelt jedoch: „Eigentlich ist Kugelstoßen seine Lieblingsdisziplin.“ Doch Yahya bleibt dabei – selbst wenn er danach komplett sandig ist: „Egal, das macht trotzdem Spaß.“
Zusätzlich ist Yahya heute auch im Basketball aktiv. Seine Rolle im ersten inklusiven Basketballteam von ALBA BERLIN ist klar: „Er ist eher der Vorlagengeber“, erzählt sein Vater. „Am liebsten für seinen Kumpel Johann.“ Aber auch die Basics machen ihm Spaß: „Dribbeln finde ich gut“, sagt Yahya. Beim inklusiven Basketball schätzt er die Möglichkeit andere Kinder mit Beeinträchtigung kennenzulernen und regelmäßig mit ihnen zu trainieren. Dies macht ihm mehr Spaß als ausschließlich mit Kindern ohne Behinderung Sport zu treiben, erzählt er uns.
Wer glaubt das wäre Yahya genug, der irrt: Jeden Samstag ist er darüber hinaus beim Karate-Training! „Da lernt er Respekt und Disziplin“, erklärt sein Vater lobend. Das ist wichtig, weil seine Lehrer eine Veränderung durch Yahyas sportliche Aktivität bemerkt hätten: „Er ist selbstsicherer, aber manchmal auch ein bisschen frech“, erzählt der Papa lachend.
Dreimal Training pro Woche – und jede Einheit bringt ihn weiter. Im Grundsatz berichten Yahya und sein Vater übereinstimmend von vielen positiven Veränderungen. Der Einfluss des Sports geht weit über Bewegung hinaus: „Er ist viel selbstbewusster geworden“. „Man fühlt sich besser und sicherer durch den Sport“, sagt Yahya selbst. Und die Familie steht geschlossen dahinter: „Seine Mama findet es richtig gut, dass er so aktiv ist.“
In der Zukunft würde Yahya gerne ein erfolgreicher Parasportler werden. Und sein Weg könnte ihn noch weit führen. Der Para-Landestrainer sieht großes Potenzial in ihm: Er zählt Yahya zu „einem von drei vielversprechenden Talenten in der Berliner Leichtathletik im Bereich kleinwüchsiger Menschen“, erzählt der Vater stolz. An einem Wettkampf hat er noch nicht teilgenommen: „Dafür ist er noch zu jung“. Dieses Jahr wollen sie aber unbedingt mal bei einem Wettbewerb zuschauen. Wenn es mit der Sportlaufbahn nicht klappt, hat er aber schon eine andere Karriere im Blick. Sein Berufswunsch ist bodenständig: „U-Bahn-Fahrer“, sagt er verschmitzt.
Abschließend drückt der Vater mehrfach seine Dankbarkeit für die Arbeit der beiden Inklusionsnetzwerker*innen im Programm des LSB aus: „Durch das Programm BERLIN HAT TALENT sind wir überhaupt erst in den Sport gekommen. Ohne euch wären wir heute nicht hier.“
Yahyas Geschichte zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Kinder die richtigen Chancen erhalten – und Eltern sie aktiv begleiten. Sein Vater hat zum Ende des Interviews noch einen Ratschlag für andere Familien: „Man darf nicht aufgeben. Die Kinder müssen es ausprobieren, egal wie die Voraussetzungen sind.“ Und genau das ist es, was BERLIN HAT TALENT ausmacht: Nicht nur Talente finden – sondern Wege eröffnen, sei es im Fechten oder in einer anderen Sportart.










