Vom Krankenbett zur Rekordzeit: Wie ein junger Schwimmer das Becken erobert

9. Juni 2026 | Nachwuchssportler*in

Beinahe hätte er nach schwerer Krankheit aufgegeben – nun reist Leistungssportler Nils Nolte mit deutschem Rekord zur Jugend-EM nach München.

Vor einem Jahr lag Nils Nolte mit einer schweren Lungenentzündung im Krankenhaus. Zwei Monate fiel der Schwimmer aus. „Zwischendurch stand die Frage im Raum, ob es sich überhaupt noch lohnt, wieder anzufangen“, sagt der 17-Jährige. Jetzt ist er Nachwuchssportler des Monats Juni.

Bei den Berlin Swim Open qualifizierte sich der Freistilschwimmer vom Berliner TSC gleich dreifach für die Jugendeuropameisterschaften in München – über 100, 200 und 400 Meter. Über 200 Meter schlug er nach 1:48,03 Minuten an und stellte damit einen neuen deutschen Altersklassenrekord auf. „Zeiten, die ich mir letztes Jahr noch gar nicht vorstellen konnte“, sagt Nolte.

Nils Nolte: Mit 14 allein nach Berlin

Sein Comeback begann mit Athletiktraining. Schritt für Schritt: mehr lange Strecken, mehr Grundlage. „Das hat mir geholfen, alles wieder aufzuholen“, sagt Nolte.

Aufgewachsen ist er in Kiel, direkt am Meer. Schon als kleiner Junge war er ständig im Wasser, surfte mit Freunden, schwamm im Verein. In der vierten Klasse begann er mit dem Training, zur neunten Klasse wechselte er ans Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB). Da war er 14 – und plötzlich allein in einer fremden Stadt.

„Am Anfang war es schwer“, sagt Nolte rückblickend. Neue Belastung, keine Freunde, viel Heimweh. Inzwischen fühlt er sich wohl. Er lebt im Internat, kocht abends mit Mitbewohnern in der Gemeinschaftsküche oder geht in die Mensa. Sein Tag beginnt um sechs Uhr, um sieben steht er am Beckenrand. Nach dem Vormittagstraining folgt Schule bis 16 Uhr, danach die zweite Einheit bis 19 Uhr. Abends bleiben Hausaufgaben – und manchmal eine Serie. Um halb zehn ist Schluss.

Jeden Tag die Lücke schließen

Sein Motto hat er von einem englischen Trainer aus einem internationalen Trainingscamp mitgebracht: „Close the gap“ – die Lücke schließen. Jeden Tag ein Stück besser werden, sich der Weltspitze nähern. „Das motiviert mich einfach“, sagt er.

Sein nächstes Ziel: eine Medaille bei der Jugend-EM. Sein großes Ziel: Olympia-Gold. „Bis dahin ist es ein riesiger Schritt. Aber wenn man sich realistische Etappen setzt, ist das erreichbar.“

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